Leserbriefe

Leserbrief zu Nachgefragt Der Protest gegen Mastställe ist radikaler geworden

Leserbrief zum Thema: Hähnchenmastanlagen

Betrifft: HAZ vom 08.04.2010, S. 1, Niedersachsen rügt Berliner Agrarpolitik

Zum Artikel „Grüne werfen Ehlen „Tricks“ vor“ der HAZ vom 25.02.2010
Schwarz-Gelb an sauberer Umwelt nicht interessiert
Auch ich wohne am Hähnchen-Highway und muss in Zukunft mit noch höherer Feinstaub- und Ammoniak-Belastung leben. Den sterbenden Wald werde ich zumindest nicht oft sehen, da bei noch mehr Gestank – zu Kraftwerk, Autobahn, Schwerlastverkehr und Kompostieranlage sollen nun noch Maststall und Biogasanlage kommen – ist der Aufenthalt an der „frischen“ Luft sowieso kaum noch möglich. Ein Umzug lohnt nicht – im Nachbardorf wird die nächste Hähnchenmastanlage gebaut.
Systematisch werden Bauernverband und Agrarfabrikbetreiber durch die Landesregierung gefördert. Kommunalpolitiker sind aufgrund der immer rücksichtsloseren Gesetzgebung machtlos oder werden mit ein paar Billiglohn-Arbeitsplätzen ruhig gestellt.
Wir können uns also nur selbst helfen – mühsam aber nicht aussichtslos: Das eigene Konsumverhalten überdenken – muss es immer nur billig sein oder ist es ein paar Cent mehr wert, wenn ich dafür Fleisch aus artgerechter Tierhaltung essen kann und dazu beitrage, auch den Kindern eine lebenswerte Umwelt zu erhalten.
Stefanie Bojahr, Hämelerwal

Zum Artikel „Mehrum stinkt es gewaltig“ in der PAZ am 22.02.2010

Mehrumer Ortsrat nicht an guter Nachbarschaft interessiert?

Nachdem die Hämelerwalder Bürger schon in der Einwohnersprechstunde der Mehrumer Ortsratssitzung am 8. Februar Redeverbot erhielten, wollten sich einige Hämelerwalder, die von der an der Gemeindegrenze geplanten Hähnchenmastanlage aufgrund der Nähe zur Bebauung und der vorherrschenden Windrichtung möglicherweise stärker als die Mehrumer betroffen sind, bei der Gemeindeversammlung am 20. Februar informieren und Fragen stellen. Wieder wurde dies verwährt mit der Begründung, es seien ausschließlich Mehrumer Bürger geladen und es werde nur über neue Kinderspielplätze etc. berichtet.

Keineswegs war eine Demonstration geplant. Wir Hämelerwalder hätten es als Zeichen der guten Nachbarschaft empfunden, wenn unsere Sorgen und Befürchtungen ernst genommen und wir nicht wie potenzielle Krawallmacher behandelt worden wären, zumal der Ortsrat versicherte, die Hähnchenmastanlage auch nicht zu wollen.

Da nun offensichtlich auch immer mehr Mehrumer Bürger bei zunehmenden Emissionen um ihre und die Gesundheit ihrer Kinder fürchten, ist ein Umdenken dringend geboten:

Auch wenn sich die Gemeinde Hohenhameln über zusätzliche Einnahmen freut, muss ein gesundes Klima für die Bevölkerung garantiert bleiben. Man kann nicht damit werben, dass das Gewerbegebiet Ackerköpfe wenige Kilometer von der BAB 2-Abfahrt Hämelerwald entfernt liegt und ohne Ortsdurchfahrten zu erreichen ist, wenn Hämelerwald schon jetzt unter extrem starkem Schwerlastverkehr leidet.

Und nicht zuletzt kann jeder Einzelne durch sein Verbrauchsverhalten Einfluss nehmen. Wenn die Nachfrage nach Fleisch aus Massentierhaltung sinkt, wird es auch keine weiteren Mastställe und Giga-Schlachthöfe geben. Gerade in unserem ländlichen Bereich gibt es genügend Möglichkeiten, sich mit Fleisch aus bäuerlicher Landwirtschaft statt aus Agrarfabriken zu ernähren.

Dass der Verbraucher Einfluss hat, sehen wir beispielsweise daran, dass kaum noch Käfig-Eier in Supermärkten angeboten werden. Für viele ist eben doch nicht nur der Preis entscheidend, sondern auch eine halbwegs artgerechte Tierhaltung und die Erhaltung einer lebenswerten Umwelt.

Stefanie Bojahr, Hämelerwald

Nach zwei aus Hämelerwalder Sicht gescheiterten Dialogversuchen bei Veranstaltungen in Mehrum, Rede- bzw. Einlassverbot durch den Ortsvorstand, ist für die Zukunft zu erwarten, dass sich der in Mehrum produzierte Schmutz weltoffener zeigt und nicht an der Gemeindegrenze anhält.

Die komfortable Position der Politiker, einerseits betroffen tun, dann aber immer auf Genehmigungsvoraussetzungen zu verweisen, die sie teilweise selbst geschaffen haben, kann nicht befriedigen. Es wurden anscheinend Gesetze durchgebracht, die wenige so richtig überblickt hatten, bis auf die Nutznießer.

Im Augenblick erscheint es leichter das Weltklima zu retten, als einen einfachen Filter in einem Hähnchenstall zu montieren.

PS: Nach der Abfuhr in Mehrum haben sich die Hämelerwalder noch 2 Stunden zusammengesetzt, viele Gedanken gemacht, eine Demo für den 13.03.2010 geplant und versucht, den Schaden zu begrenzen, den die gewählten Parteien angerichtet haben.

Lutz Bojahr, Hämelerwald

In Zeiten von erbarmungsloser Massentierhaltung in stetig wachsender Anzahl von Mastanlagen sollten wir alle einen Augenblick innehalten. Ist es nicht an der Zeit unser eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen anstatt gedankenlos mitzumachen?

Ich finde es sollte uns allen

• eine Frage der Selbstverständlichkeit sein,
allen Lebewesen auch einen Wert zuzuschreiben, der sich nicht ausschließlich in Euro und Cent bemessen lässt und alle Lebewesen würdevoll zu behandeln
• eine Frage der Verantwortung sein,
unseren Kindern respektvollen Umgang mit Tieren, nicht nur den Haus-, sondern auch den Nutztieren vorzuleben und den Lebensraum unserer Kinder zu schützen
• eine Frage der Disziplin sein,
mit der Natur und Umwelt so umzugehen, dass auch nachfolgende Generationen ihre Schönheit und Vielfalt erleben dürfen
• eine Frage des Respekts sich selbst gegenüber, ganz einfach eine Frage der eigenen Wertschätzung sein,
sein Handeln nicht einer „Geiz ist geil“ Mentalität zu unterwerfen oder ausschließlich wirtschaftlichen Motiven zu folgen – ohne Rücksichtnahme

Jeder einzelne von uns, egal ob Politiker, Verbraucher oder Landwirt sollte sich diese Fragen stellen und eine bewusste, mit seinem Gewissen vereinbare Entscheidung fällen.
Halten wir es doch alle wie Immanuel Kant es beschrieb: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Birgit Otto, Hämelerwald

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Hähnchenmastanlagen

Leider trägt dieser Aufruf nur bedingt Früchte. Schade, dass die Lösung nicht so einfach ist.
Denn sowohl bei der in Wietze entstehenden Schlachtfabrik, als auch den zuliefernden Mastbetrieben handelt es sich schon jetzt um geplante Überproduktion, die – und das ist der eigentliche Skandal – in hohem Maße aus EU-Mitteln gefördert wird und zum Großteil wahrscheinlich gar nicht für den hiesigen Markt bestimmt ist. Denn auch der Export z. B.
nach Afrika bringt wiederum EU-Fördermittel ein.
Ein weiterer Skandal ist aus meiner Sicht, dass es noch kein Verbot solcher quälerischen Massentierhaltung gibt und dass anliegende Gemeinden keinerlei Einspruchsmöglichkeit gegen solche Fabrikställe haben.
Alles Probleme, die auf der politischen Ebene gelöst werden müssen.
Hier ist politische Arbeit dringend erforderlich, unter anderem auch durch Bürgerinitiativen.

Ute Grapentin, Hämelerwald

4 responses to this post.

  1. Posted by Stefanie Bojahr on 16. März 2010 at 10:21 am

    Ich musste mal wieder einen Leserbrief schreiben:
    Zum Artikel „Landwirt kritisiert Mahnwache heftig“ im HAZ Anzeiger für Lehrte vom 16.03.2010

    Herr Löhr fühlt sich terrorisiert, wenn 2 Handvoll Menschen eine Weile friedlich vor seinem Haus stehen.
    Wenn er sich ein Fünkchen um die Lebensqualität einiger Tausend Anwohner, die Gesundheit der Nachbarkinder und die Lebensbedingungen von Hunderttausenden qualvoll gezüchteten Hühnern sorgen würde, wären solche Aktionen gar nicht notwendig.
    Wer bereit ist, seine Umwelt mit Amoniak und Feinstaub zu schädigen, hat mit Sicherheit ein so dickes Fell, dass ihn friedlich demonstrierende Nachbarn nicht halb so sehr ängstigen, wie umgekehrt er die Hämelerwalder Bürger mit seinen Mastprojekten.
    Stefanie Bojahr, Hämelerwald

    Antwort

  2. Posted by Henning Riechers on 28. Februar 2010 at 12:29 am

    Liebe Bürgerinitiative,

    ich bin auch sehr für Umwelt- und Naturschutz. Aber Ihre Arbeit finde ich unehrlich; in der gesamten Diskussion um die angekündigten Hähnchenmastanlagen wird das Folgende nicht berücksichtigt:

    Ganz deutlich wird der Markt und somit die Produktion gelenkt vom Verhalten der Verbraucher. Ganz offenbar besteht eine große Nachfrage nach Hähnchenfleisch, sodass es auf der Hand liegt, entsprechend Hähnchenfleisch zu produzieren. Da die Verbraucher jedoch nicht bereit sind, ökologisch produziertes Fleisch zu kaufen (Ein Run auf Ökoprodukte blieb meines Wissens nach bisher aus), greifen sie lieber zu dem konventionell produzierten Fleisch. Es ist widersprüchlich, derartiges Fleisch zu kaufen, gleichzeitig aber die Produktonsanlagen verhindern zu wollen. Denn wenn Produktonsanlagen hier verhindert und somit nicht gebaut werden, werden sie im Ausland errichtet, und das Fleisch wird dann –wohl per LKW- hierher transportiert, was unterm Strich wohl kaum tier- und umweltschonender ist.

    Bei anderen Bereichen ist das anders: Es ist nicht widersprüchlich, gegen Atomstrom zu sein, gleichzeitig aber Atomstrom zu nutzen, weil man ja kaum die Möglichkeit hat, ökologisch einwandfreien Strom zu beziehen. Da man also bestenfalls sehr eingeschränkte Möglichkeiten zum Handeln hat, ist hier die Politik gefordert.

    Die Käfighaltung von Legehennen ist ein „Mischding“: Die Käfighaltung ist verboten, und auch schon vor dem Verbot haben viele Menschen Eier aus Boden- oder Freilandhaltung bevorzugt. Mit ihrem Kaufverhalten konnten die Kunden also ihre Meinung durchaus sehr gut ausdrücken, und so könnten auch Leute, die lautstark gegen Hähnchenmastanlagen sind, ja Biofleisch kaufen, aber sie tun es schlicht und einfach nicht.
    Bei der Legehennenproblematik anders ist jedoch, dass in Lebensmitteln, die man kauft (z.B. Kuchen, Kekse, u.a.) Eier drin sind, und zwar in aller Regel Eier aus Käfighaltung aus dem Ausland. Das bedeutet also, dass die Käfighaltung sozusagen nur aus Deutschland ausgewandert ist; die Legebatterien stehen nun statt in Deutschland in anderen Ländern, in denen die Käfighaltung noch erlaubt ist. Hier wäre –ebenso wie in der Energiedebatte- politisches Handeln notwendig, denn der Verbraucher hat ja meist nicht die Möglichkeit, auf ein bestimmtes Produkt im Supermarkt (z.B. Kuchen) zu verzichten, „nur“, weil da Eier aus Käfighaltung drin sind.

    Ja, so ist meine Sichtweise. SIE persönlich, die diese Bürgerinitiative leiten, Sie kaufen vielleicht Biofleisch ein und können diese BI-Arbeit mit gutem Gewissen machen; aber die allermeisten Ihrer Anhänger und Unterstützer verhalten sich widerspüchlich, was dazu führt, dass die Argumente Ihrer Bewegung unglaubwürdig sind, man kann sie nicht Ernst nehmen, wenn man sich genauer mit dem Markt auseinander setzt. Vielmehr bekommt man den Eindruck, dass sich in Ihrer Organisation Menschen engagieren, die weder vom heutigen Landleben noch von dem Marktgeschehen wenig Ahnung haben.

    Ich hoffe, dass Ihre Arbeit keinen Erfolg haben wird. Ich hoffe das nicht deshalb, weil ich gegen Tier- und Umweltschutz wäre, ganz im Gegenteil. Sondern ich hoffe das deshalb nicht, weil Sie mit Ihrer Arbeit keine Probleme lösen. Die Diskussion, die Sie entfachen, führt nicht zu einem Fortschritt. Konzentrieren Sie Ihre Energie lieber in sachliche Aufklärung der Menschen, das hätte die Vorteile a) dass alle mehr Ahnung hätten b) dass Biobauern unterstützt würden, und c) dass ein überzeugendes (das heißt ein in sich stimmiges und widerspruchsloses) Signal an die Politik gesendet wird.

    Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen.

    Henning Riechers, Wolfenbüttel

    Antwort

    • Hallo Herr Riechers,
      wir geben Ihnen in einigen Punkten Recht, aber wir sind nicht verantwortlich für das Tun der Bürger aus Hämelerwald.
      Jeder hat einen anderen Beweggrund uns zu unterstützen und diesen Akzeptieren wir ohne wenn und aber.
      Wer kein Fleisch mehr essen möchte den akzeptieren wir genauso wie jemanden der eben nicht auf Fleisch verzichten möchte.
      Wir denken das alle die sich unserem Protest anschließen auf jedenfall bewusster mit dem Thema Fleisch und Mastierhaltung umgehen.

      Wegen der sachlichen Aufklärung, kommen Sie bitte mal zu unserem Stammtisch und Sie werden sehen das wir sehr sachlich und kompetente Aufklärung betreiben.

      Mit freundl. Grüssen das Orga Team der BI-Hämelerwald

      Antwort

    • Posted by VEH on 3. März 2010 at 4:56 pm

      Hallo Herr Riechers, selbst wenn man alle von Ihnen angeführten Kritikpunkte mit „Ja“ bestätigen würde, wäre die Arbeit der Bürgerinitiative deswegen nicht „unehrlich“. Die BI fliegt nicht nur auf die hehren Ziele „Tierschutz“, „ethisch korrekte Nahrungsmittelproduktion“ usw. ab, sondern auf ganz konkrete Probleme, die sich aus der Einzelbetrachtung von Schadstoffemittenten ergibt, ohne die gebotene kumulierte Gesamtimmission für Wohngebiete zu betrachten. Weiterhin sollten Sie sich bei solch harscher Kritik schon darüber im Klaren sein, dass der geplante Schlachthof in Wietze (der ca. 500 neu zu bauende Mastanlagen nach sich zieht) mit einer Endausbaukapazität von über 100 Mio Schlachthähnchen pro Jahr nicht den Forderungen des Marktes folgt, sondern ein Kampfinstrument im Kampf um marktanteile ist – und darunter leidet, wie auch zuletzt bei der Bankenkrise, der Normalverbraucher. Letztendlich gibt es in Deutschland genügend nutzbare Flächen weitab von Wohngebieten, die mit Mastanlagen bebaut werden können – nur nicht unter fragwürdigen Umständen vor unserer Haustür. Schauen Sie sich das einst beschauliche Dorf Hämelerwald an, das durch Gewerbegebiete mit bunter Emissionsmischung in die Zange genommen worden ist und den illegalen Maut-Umgehungsverkehr ertragen muss – und dann gestehen Sie uns bitte einen erfolgreichen Kampf gegen diese Mastanlage zu. Abschließend erlauben Sie mir noch die Anmerkung: Ihr Legehennenbesispiel hinkt und Ihr Atomstrombeispiel leuchtet mir nicht ein. Viele Grüße aus Hämelerwald-Süd

      Antwort

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